Alte Liebe rostet nicht
Komplette Sanierung eines rostbefallenen Stahlrumpfes: So geht das!
In diesem Artikel soll es ausnahmsweise mal nicht um unsere schicken neuen Yachten von LINSSEN oder die modernen GFK-Verdränger von DELPHIA gehen. Wir haben eine spannende Geschichte aus unserer EastWest-Werft für Sie, die unsere Mitarbeiter in den letzten Wochen fotodokumentiert haben: Für Besitzer von Stahlrumpf-Booten dürfte dies außerordentlich interessant sein, denn die Kollegen in der Werft haben nicht nur die schöne, klassische Motoryacht vor dem Schneidbrenner gerettet, sondern ein wahres Meisterstück abgeliefert.
Als langjährige LINSSEN-Fachhändler haben wir in Zehdenick tagtäglich mit dem Bootswerkstoff Stahl zu tun: Die hochwertigen Yachten aus Holland sind Premium-Produkte aus der Familienwerft und eine der letzten Marken der Welt, die noch ausschließlich hochwertige Rundspanter in Stahl anfertigen. Um unseren vielen Dutzend Kunden – sowie immer mehr auch LINSSEN-Eignern aus ganz Deutschland und sogar unseren europäischen Nachbarländern – den bestmöglichen Service zu bieten, gehört für uns eine entsprechende Spezialisierung auf die Pflege, Wartung, Reparatur und Sanierung von Stahlbooten zum Service dazu. Und diesen genießen bei EastWest natürlich nicht nur Eigner einer LINSSEN, sondern alle Skipper, die beim Rumpfmaterial auf Stahl setzen.
Die Vor- und Nachteile eines Stahlrumpfes
Sie besitzen ein Stahlboot oder sind im Begriff, sich vielleicht beim Kauf einer neuen (oder gebrauchten) Motoryacht für einen Stahlrumpf zu entscheiden? Dann sollten Sie sich über die Material-Eigenschaften dieses Werkstoffen bewusst sein. Denn wie alle anderen Bootsbaumaterialien auch, hat Stahl gewisse, unschlagbare, Vorteile – verlangt aber in mancherlei Hinsicht an anderer Stelle nach besonderer Aufmerksamkeit. Denn nichts kommt immer nur mit einem „Haben“, alles hat auch immer Kompromisse oder Nachteile.
Wie bei dieser wunderschön ausgeformten Motoryacht mit einem besonders markanten und komplexen Bug zu sehen, ist jedwedes Rumpfmaterial im Wasser höchst aggressiven chemischen wie auch mechanischen Belastungen ausgesetzt. Beim Stahl kommt einem natürlich sofort das Thema Rost in den Sinn. Wenn Stahl, der hauptsächlich aus Eisen besteht, mit dem im Wasser gebundenen Sauerstoff reagiert, oxidiert der Rumpf. Das Endprodukt ist das rotbraune Eisenoxid – der Rost. Das Gemeine daran ist, dass Rost sehr porös ist und damit die Feuchtigkeit wie ein Schwamm hält. Die Rost-Reaktion wird dadurch nur angekurbelt und beschleunig. Wenn also einmal Rost auftritt, frisst dieser sich buchstäblich im Turbogang immer weiter beschleunigend durch das Material.
Besonders anfällig sind dabei diejenigen Stellen am Boot, die:
- permanent im Wasser sind
- deren Anti-Rost-Beschichtung beschädigt ist (beim Anlegen, Schleusen, Grundberührung etc.)
- in der Nähe schlecht isolierter stromführender Leitungen sind
- direkten Kontakt zu höher- oder minderwertigeren Metallen haben
Denn es gibt nicht nur die chemische Oxidation, die den Rumpf mit Rost überzieht und durchdringt, sondern auch noch die galvanische Korrosion. Bei dieser Form der Oxidation fließen permanent elektrische Ströme zwischen Metallen, die ebenfalls eine korrosive Wirkung haben. Daher ist es extrem wichtig, dass alle Kabel und stromführenden Leitungen an Bord komplett isoliert und fachgerecht verlegt sind. Wo verschiedene Metalle direkten Kontakt haben (beispielsweise Aluminium), sollten diese ebenfalls von einander isoliert sein.
Wussten Sie, dass Stahlboote meist von innen rosten?
Bei unserem Stahlboot, das Sie hier in der Werft sehen, ist der Rumpf eindeutig jahrelang von außen durchgerostet. Das ist allerdings eher die Ausnahme, denn Stahlboote rosten oft eher von innen! Es ist dabei vor allem das Kondenswasser an der Innenseite des Rumpfes, welches sich beispielsweise durch die Atemluft der Crew und Gäste ansammelt, das dann an der kühlen Bordwand kondensiert, abperlt und sich irgendwo sammelt. Wenn kein Ablauf vorhanden ist, bilden sich so – meist an sehr schwer zugänglichen Stellen – Wasserpfützen, die dann aggressiv die Oxidation beschleunigen.
Kleiner Exkurs in den Stahl-Bootsbau: Aus genau diesem Grund sind LINSSEN-Yachten von innen so aufwändig gedämmt. Wir laden Interessenten stets ein, mit uns die Werft in Maasbracht zu besuchen, wo Sie live und in allen Schritten den Bau und vor allem den Ausbau der Stahlrümpfe begutachten können. Der Arbeitsschritt, bei dem die maßgefertigte Isolierung eingebracht wird, ist dabei immer einer der wichtigsten. Denn nur die fachgerechte, dicht verlegte und hochwertige Innen-Isolierung kann wirksam das schädliche Kondenswasser vom Stahlrumpf fernhalten. Wenn Ihr Boot keine Innendämmung hat, wäre das ein Alarmsignal: Vielleicht sollten Sie dann auf eine Nachrüstung einer Isolation nachdenken, oder diesen Nachteil beim Kauf des Bootes einkalkulieren.
Ist Salzwasser schädlicher für Stahlrumpf-Boote?
Kurz gesagt: Ja! Stahlyachten sind im Salzwasser deutlich anfälliger für Rost. Das liegt daran, dass die im Meerwasser gelösten Salze (und hier vor allem die Chloride) die elektrische Leitfähigkeit des Mediums stark erhöhen. Salzwasser ist also ein deutlich besseres Elektrolyt. Damit ist die Korrosionsreaktion im Meer definitiv beschleunigt. Hinzu kommt, dass ebenjene Chloride teilweise chemisch aggressiver gegen die Schutzschichten am Rumpf vorgehen, was zur typischen Lochfraßkorrosion (auch „Pitting“ genannt) führt. Wollen Sie sich ein Stahlboot in die Ostsee legen? Das ist von der Steifigkeit und dem Fahrverhalten bei Welle sicher sinnvoll – Rostschutz wird hier aber umso wichtiger.
In unserem heimatlichen Revier auf Havel, Spree oder Müritz haben wir glücklicherweise Süßwasser. Selbst Brackwasser-Reviere (mit Zu- oder Abfluss ins Meer) haben einen deutlich geringeren Salzgehalt. Das Elektrolyt Süßwasser leitet viel schlechter, weshalb Stahlyachten auf Flüssen oder in Binnensees sehr lange halten und viel weniger Rostprobleme haben. Dennoch gilt auch hier: Wie bei Booten im Meer ist die regelmäßige Pflege entscheidend. Was viele Jahre Vernachlässigung durch die Eigner, eine schlechte Beratung durch nicht sehr kompetente „Service-Betriebe“ oder schlichtweg Pfusch bei der Pflege und Reparatur an einem Stahlrumpf – auch wenn er nur im Süßwasser unterwegs war – anrichten kann, sehen Sie auf den Fotos dieses Artikels. Übrigens, bei GfK-Rümpfen ist es genau umgekehrt: Süßwasser hat einen viel höheren osmotischen Druck, ist daher gerade bei preiswerten Polyester-Rümpfen gefährlicher in puncto Osmose, weshalb Plastik-Boote vor allem im Süßwasser einen besonders professionellen Epoxy-Schutz am Unterwasserschiff brauchen.
So hält Ihr Stahlboot 50 Jahre. Oder 100.
Diese Yacht war eigentlich ein hoffnungsloser Fall. Nur eine vollumfängliche Sanierung von Grund auf (!) konnte das schicke Schiff vor dem Schweißbrenner retten. So weit muss es natürlich erst gar nicht kommen, denn wie bei allen Dingen wie Auto, Eigenheim und so weiter auch, muss man sich bei einem Stahlboot regelmäßig um die Wartung und die Pflege der Struktur kümmern. Das ist gar nicht so kompliziert und auch nicht unbedingt teurer, als bei einem GfK-Rumpf, übrigens. Wer die folgenden simplen Schritte einhält, der kann sein Stahlschiff mindestens für 50 Jahre – oftmals weit, weit, weitaus länger in Topform halten!
Es ist eine Regel der Thermodynamik, dass alles im Universum unaufhaltsam zerfällt. Einen 100%igen Schutz oder Verhinderung des Zerfalls gibt es nicht. Aber diese Strategien werden die Lebensdauer Ihres Stahlschiffes soweit verlängern, dass mindestens noch Ihre Kinder, vielleicht auch noch die Enkelkinder als Skipper mit dem Schiff Spaß haben können: Hochwertiger Korrosionsschutz mit Hilfe einer professionellen, hochwertigen Beschichtung ist der Schlüssel. Dabei wird auf das blanke Metall (frisch geschliffen oder besser gesandstrahlt) in mehreren Schichten ein Epoxy-Primer aufgetragen. Ganz so, wie bei einer GfK-Yacht auch. Diese Schichten Epoxy sind absolut wasserdicht, haften gut auf Metall und sind sehr lange haltbar. Hierauf kommt dann das Antifouling.
Wichtig ist, dass Sie das Boot regelmäßig von Fachleuten auskranen und sehr genau Inspizieren lassen sollten. Am besten vor der Einlagerung ins Winterlager. Schäden von Kollisionen, Anrempler am Steg an der Wasserlinie, selbst kleine (aber tiefe) Kratzer sollten unbedingt sofort ausgebessert werden. Und zwar von Profis! Wie oft bilden sich Wasserblasen unter unsachgemäß aufgebrachten Spachtel- oder Epoxy-Schichten: Brutstätten für Turbo-Rost! Des Weiteren sollten Sie auf einen jederzeit ausreichendend kathodischen Schutz vor galvanischer Korrosion mittels Opfer-Anoden achten: Diese sollten immer ausreichend und mit genug Opfermaterial am Rumpf platziert sein. Ob Sie dabei auf Zink, Aluminium oder Magnesium-Anoden setzen sollten, weiß wiederum der Fachmann in der Werft oder die Bauwerft des Schiffes am besten. Sparen Sie nicht an Anoden! Betauchen Sie den Rumpf gern ab und zu während der Saison, denn Anoden können sich lösen und abfallen – so entsteht vielleicht unbemerkt unter Wasser eine Gefahrenquelle für Ihre Yacht. Skipper-Tipp: Vermeiden Sie das Anlegen an puren Spundwänden aus Eisen/Stahl – hier „glühen“ manche Yachten mit 14 Volt …
Weiterhin sollte (wie jedes andere Schiff auch) neben der Isolierung, über die wir schon gesprochen haben, stehts auf eine gute Belüftung und vor allem permanente Entfeuchtung im Inneren geachtet werden. Denn diese verhindert das Bilden von Kondenswasser. Die bekannten Luftentfeuchter aus dem Winterlager können gut auch bei (längeren) Liegezeiten im Hafen an Bord aufgestellt werden. Je nach Luftfeuchte ein Entfeuchter pro Kabine reicht. Wer eine Diesel-Heizung hat, kann diese durchaus auch in der warmen Jahreszeit einsetzen, um das Schiff richtig durchzutrocknen. Spülen Sie auch den Rumpf regelmäßig mit Süßwasser ab, wenn Sie im Meer unterwegs waren. Dass Sie das Boot jährlich auf dem Trockenen einer Fach-Inspektion unterziehen lassen sollten, die Anoden regelmäßig wechseln und nach jeder (!) Kollision oder Beschädigung handeln sollten, versteht sich von selbst.
Letzte Chance: Grundsanierung!
Wenn das alles nicht reicht, Ihre Yacht nach vielen Jahren vernachlässigter Pflege um Hilfe ruft oder Sie ein Gebraucht-„Schnäppchen“ gemacht haben, ist trotz Rostbefall oftmals nicht gleich alles verloren. Boote, die aus hochwertigem Bootsbau-Stahl bestehen, sind oft zäher, als man denkt. Auch wenn punktuell die Struktur schon durchgerostet ist, kann man oftmals noch viel Substanz retten. Bei unserer schicken Stahlyacht in der Werft war der Rumpf schon ziemlich angegriffen, wie Sie auf den Fotos sehen konnten, aber in seiner Struktur noch absolut verwendbar. Lediglich der tiefe Rost unter der Stoßfänger-Leiste am Freibord war schon grenzwertig.
Wenn wir Ihre Yacht für einen Reparatur- oder Sanierungsauftrag in die Werft bekommen, erfolgt nach eingehender Begutachtung meist eine komplette Entfernung aller Lack-, Epoxy- und Spachtelschichten. Hierfür haben wir eine leistungsstarke Sandstrahl-Anlage, mit der wir in wenigen Tagen einen kompletten Rumpf bis auf das blanke Metall „strippen“ können. Im Prinzip kann erst jetzt ein Projektplan erstellt werden, da neben den offensichtlich sichtbaren Rost-Stellen viele befallene Areale erst nach der Sandstrahlbehandlung erkennbar sind. Im Fall dieser Yacht hieß die Empfehlung: Kompletter Neuaufbau, punktuelle Reparaturen an den schlimmsten Stellen.
Im nächsten Schritt werden die krassesten Roststellen aufgefüllt, ggf. auch ganze Stahl-Teile entfernt und mit neuem Metall-Material aufgeschweißt. Bei unserer Yacht im aktuellen Projekt war das nicht notwendig. Hier erfolgte nach dem Sandstrahlen zunächst das Aufbringen der Epoxy-Grundierungs-Schichten. Danach wird gespachtelt. Denn am Ende wollen wir die durch den Lochfraß entstandenen Dellen und Löcher strömungstechnisch günstig wieder verschließen, damit ein glatter Rumpf entsteht. Das sieht nicht nur schicker aus, sondern trägt auch maßgeblich zum Fahrverhalten und letztlich zum Treibstoffverbrauch bei. Ähnlich wie Muschelbesatz, wirkt eine löchrige, rauhe Rumpfoberfläche bremsend und verlangt nach mehr Motorleistung für die gleiche Geschwindigkeit.
Jede Spachtelschicht wird abgeschliffen und kontrolliert. Mindestens zwei Spachtel-Schichten sind bei diesem Schiff notwendig, um den Rumpf wieder eben und glatt zu bekommen. Auch die Spachtel-Schichten werden nun wieder mit Epoxy versiegelt. Dabei gilt: Doppelt hält tatsächlich besser! Das Epoxy versiegelt das Spachtel-Material und sorgt für eine zusätzliche Wasserbarriere. Doch damit nicht genug: Erst jetzt können unsere Lackierprofis die letzten Unebenheiten im Gegenlicht erkennen – und, Sie ahnen es schon, in einer letzten Feinspachtel-Schicht ausgleichen. Nach etwa 4 Wochen Arbeit ist dieser klassische, aufregend geformte Rumpf nun klar für die Lackierung.
Wir sind Ihre Stahlboot-Spezialisten in Zehdenick!
Wie es in unserer Bootslackiererei dann zugeht, das können Sie in diesem Blog-Artikel nachlesen, ein toller Beitrag mit vielen Fotos. Wir sind bei EastWest sehr stolz auf diese Lackierwerkstatt: Hier arbeiten leidenschaftliche Lackier-Profis, viele selbst Bootseigner und Skipper. Die Lackiererei ist mittlerweile in ganz Deutschland bekannt: Eigner bringen aus dem Süden ihre Projekte per LKW zu uns oder nehmen mitunter abenteuerliche Kanal- und Flussfahrten auf sich, um ihre Schmuckstücke in unsere Obhut zu geben. Haben Sie auch ein Stahlboot, einen Reparatur- oder gar Sanierungsfall? Dann sollten Sie uns für eine unverbindliche Beratung kontaktieren.
Kombinieren Sie längere Werft-Projekte mit einem Winterlager, legen Sie Ihr Schiff direkt zu uns in den Hafen und holen Sie es bei Fertigstellung wieder ab. Mit genug Vorlauf, können wir selbst große Sanierungsprojekte sehr engmaschig für Sie koordinieren – für kleine Spot-Repair-Maßnahmen oder spontanes Anodenwechseln ist immer irgendwie Platz. Also – wir freuen uns auf Ihre Stahl-Schönheit!
P.S. – mit GfK- Rümpfen kennen wir uns natürlich auch aus!