Ein Haufen Plastik … aus gutem Grund
Was unsere Werften tun, damit wertvolle Ressourcen gespart werden
Seit den Achtzigerjahren ist verstärkt das Thema Umwelt- und Ressourcenschutz in das Bewusstsein der Menschen und der Wirtschaft gedrungen. Es sind viele, große Fortschritte gemacht worden, denken wie nur an den Katalysator, das Recycling-System und viele weitere Dinge, die mittlerweile Standard sind, in den 60er und 70ern aber noch gang und gäbe waren. Sicher, wir sind nicht am Ende unserer Bemühungen und manche Wege (Papierstrohhalme oder feste Getränke-Deckel) lassen uns eher den Kopf schütteln, wichtig ist aber festzustellen, dass das Thema Umweltschutz einen unwiderruflich festen Bestandteil unser aller Leben hat – und das ist gut so! Das gilt natürlich auch für unsere liebste Freizeitbeschäftigung: Das Bootfahren.
Wenn wir nur an die Motorboote von früher denken (und da müssen wir nicht weit zurück gehen), die mit ihren rußenden Maschinen und hohen Verbräuchen heute undenkbar wären. Moderne Motoryachten, selbst die großen Schiffe, verfügen über verbrauchsoptimierte Antriebe und werden ebenso wie Automobile unter diesem Aspekt entwickelt. Wir möchten in diesem Artikel einen Reality-Check mit Ihnen machen, denn selbstverständlich ist die Branche noch lange nicht am Ziel angekommen: Vieles, was man tun will, geht einfach noch nicht (aus verschiedenen Gründen), anderes ist (noch) zu teuer und kann sich am Markt nicht durchsetzen. Wir möchten ein Zeichen gegen Greenwashing setzen und an dessen Stelle eine aufgeklärte, realistische Einschätzung des Status quo der Bootsbranche geben: Wo stehen wir, was die Umwelt angeht?
Fast jede Yacht kommt per Schwerlast-LKW
Letzte Woche erreicht uns wieder ein Schwerlast-Transport mit einer nagelneuen DELPHIA 10 Sedan. Es hat zwei Tage gedauert, bis das neue Schiff bei uns eingetroffen war. Sogleich machen sich unsere Techniker daran, das Boot für die Kranung vorzubereiten – sie packen die Yacht aus. Fakt ist, dass etwa 90% aller gebauten Yachten ihre erste Reise „huckepack“ auf einem Schwerlast-LKW antreten. Denn die Werften sind zumeist nicht am Wasser gelegen oder die Kunden wohnen so weit weg, dass ein Straßentransport einfach schneller, sicherer und unterm Strich auch effizienter erfolgen kann. Bis das Boot bei Ihnen ist, muss also eine Menge Diesel verbrannt werden … denn so ein Schwerlast-LKW verbraucht locker 30 bis 35 Liter auf 100 km.
Die DELPHIA-Werft ist zirka 880 Kilometer von EastWest in Zehdenick entfernt. Die Einsicht, dass eine Menge Energie und Ressourcen eingesetzt werden müssen, damit Sie Ihre neue Yacht bekommen, gehört zum Bootfahren ebenso dazu, wie bei allen Dingen, die uns umgeben: „Net Zero“ ist eine schöne Idee, die in der Realität allerdings nicht umzusetzen ist. Wir finden es wichtig, dass Sie sich dieser Tatsachen bewusst sind, damit Sie später umsichtig und aufgeklärt mit Ihrem Schiff und den Ressourcen umgehen – denn selbstverständlich gibt es viele Möglichkeiten, den Fußabdruck, den Sie durch und mit Ihrem Hobby hinterlassen, maßgeblich zu verkleinern. Lassen Sie uns etwas tiefer in die Materie eintauchen …
Schutzverpackung – muss sein!
Ein riesiges Ärgernis, auch für uns, ist der Plastikmüll, der jedes Mal entsteht, wenn ein neues Schiff ankommt. Die Boote sind in eine dicke Folie eingeschweißt, die unsere Mitarbeiter erst einmal aufwendig entfernen müssen. Muss das denn sein? Ja! Auf der langen Reisen der nagelneuen Yachten auf den Straßen Europas lauern viele Gefahren: Steinschlag, die kratzigen Äste der Alleebäume, Straßenschilder, Ampeln und so weiter. Obwohl die Scouts der Transport-Unternehmen immer nach möglichst breiten und gut zu befahrenden Routen suchen, kann es immer wieder vorkommen, dass die überbreiten und hohen Schwerlast-Transporte mit „Kontakt“ fahren.
Dazu kommt das Wetter: Regen, Hagel, Sand in der Luft – weder wir Händler noch am Ende Sie als frisch gebackener Eigner einer solchen Yacht möchten ein zerkratztes Boot angeliefert bekommen! Sicher würden Sie es nicht akzeptieren, dass Sie erst einmal die Gelcoat-Reparatur von Akazien-Kratzern am Rumpf zu bezahlen haben, wenn das neue Boot eingetroffen ist. Also bleibt als zurzeit einzige wirksame Schutzmöglichkeit das Einschweißen in dicke Schrumpffolie. Besonders empfindliche Teile, wie die verchromte Reling werden zudem noch in Schaumstoff verpackt. Das Boot kommt „wie aus dem Ei gepellt“ bei uns an: Ein Container voller Plastikmüll muss entsorgt werden. Gibt es da keine Alternativen? Jain.
Natürlich suchen die Werften händeringend nach Alternativen. Marken mit sehr wenig Output benutzen wiederverwendbare Stoff-Persenninge, die nach dem Transport wieder an die Werft geschickt werden. Das ist aber für Großserien-Hersteller mit hunderten Yachten Output pro Jahr nicht realistisch. Näher rücken da schon neue Materialien, denn die Schrumpffolie ist noch „single use“, kann also nur einmal benutzt werden. Die Suche nach einer recyclingfähigen Folie, die aber genauso widerstandsfähig und robust ist, läuft auf Hochtouren. Wenn das Thema Transportfolie gelöst ist, wäre die Branche einen Riesenschritt weiter – und wir sind uns sicher, dass das in den kommenden Jahren soweit sein wird.
Alternativen bei der GFK-Herstellung
Was heute schon Realität ist – und für GFK-Yachten, also Boote aus Plastik, besonders wichtig ist – ist ein ressourcenschonender Herstellungsprozess. Denn um ein solches Boot zu bauen, sind Tonnen an Erdöl-basierten Grundprodukten und eine Menge Energie notwendig. Sowohl die Glasfaser-Matten wie auch das Herz sind Erdöl-Produkte. Die Werften, allen voran die BENETEAU-Gruppe, zu der auch DELPHIA gehört, forschen an Alternativen. Und haben hier schon eine Menge Fortschritte gemacht. Selbst kleine Fortschritte zählen. Wenn man sich vor Augen hält, dass allein die Groupe Beneteau einen jährlichen Output von 10.000 Booten (vor der Krise) und zurzeit immerhin noch 4.000 Booten hat, dann werden einem die Dimensionen der Einsparpotenziale erst einmal vollends bewusst.
So hat der Konzern schon seit 2020 für nicht-belastete GFK-Teile in den Booten von Glasfaser (also Erdöl) auf Naturfaser umgestellt. Das sind dann meist Flachs- oder Hanf-Fasern, die hier zum Einsatz kommen. Zudem wird das teure und wertvolle Polyester oder Vinylester-Harz für die zweite Komponente in einer GFK-Yacht bei vielen Kleinteilen der Yachten schon mit einem Anteil Naturharz (sogenanntes „Bio-Resin“) ersetzt. Es kann also gut sein, dass ein Backskistendeckel oder ein Verkleidungspaneel an Bord Ihrer Yacht mit diesen Materialien hergestellt wurde. Und was ist das Ergebnis? Die Werft sagt, dass über alle Groupe Beneteau-Marken hinweg damit das Gewichtsäquivalent von 200 kleinen Segelbooten eingespart wird! Wir finden, das ist eine Menge!
Noch sind Bio-Harze und nachwachsende Rohstoffe, wie Flachs, von ihren Materialeigenschaften nicht so weit, die strukturgebenden und mechanisch hoch belasteten Teile einer Yacht zu ersetzen. Es führt einfach (noch) kein Weg am klassischen GFK vorbei: Dennoch läuft die Materialforschung auf Hochtouren. Letztlich führt auch die Verwendung der angesprochenen neuen Materialien in den Yachten zu wertvollen Erkenntnissen bei der Langzeitverwendung, denn auch ein Backskistendeckel gibt am Ende Auskunft darüber, wie sich die Materialien nach vielen Jahren im echten Einsatz verhalten und bewähren.
Innovationen für mehr Müllvermeidung
Wenn wir noch einen Schritt vorher ansetzen, nämlich direkt in die Werft zur Herstellung der Yacht gehen, dann sehen wir, dass auch hier eine Menge Möglichkeiten sind, wertvolle Ressourcen zu sparen oder durch den Einsatz innovativer Methoden Müll zu vermeiden. Viele Yachten oder GFK-Teile von Yachten werden heutzutage im sogenannten „Vakuum-Infusions-Verfahren“ hergestellt. Dabei werden die Fasergelege trocken in die Form gelegt, alles luftdicht mit einer Folie verschlossen und über Pumpen darunter ein Vakuum hergestellt. Nun wird das Harz eingespritzt, welches sich durch den Unterdruck in alle Ecken der Form zieht: Es durchtränkt die Fasergelege und härtet dann schnell aus.
Beim Vakuum-Verfahren wird an sich schon weniger Harz verbraucht, als beim klassischen „Handauflege-Verfahren“, was sehr gut ist. Allerdings: Die Vakuumier-Folien sind ebenso wie die Transportfolien (noch) nur einmal verwendbar. Es entsteht also jede Menge Plastik-Abfall. Die Beneteau-Gruppe testet seit Jahren hierbei mit Silikon-Formen, unseren Back-Formen daheim nicht unähnlich. Diese können praktisch unendlich oft wiederverwendet werden. Heute schon werden jede Menge Kleinteile so hergestellt. Dabei sammelt die Werft Erfahrungen und verbessert die Formen stetig. Das Ziel ist, immer größere Teile so herzustellen, damit am Ende vielleicht einmal ganze Rümpfe und Decks so entstehen können.
Das alles sind noch vergleichsweise kleine Schritte, die man an vergleichsweise kleinen Bauteilen ausprobiert. Und das aus gutem Grund, denn am Ende wollen Sie als Boots-Eigner kein Versuchskaninchen für neue Werkstoffe sein, oder? Die Yachten müssen weiterhin den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und die hohen Anforderungen der CE-Klassifizierung. Letztlich müssen sie viele Jahre und viele, viele Seemeilen Belastungen des Meeres standhalten – da kann die Werft nicht anders, als auf Nummer Sicher zu gehen. Denn bei allen Fortschritten beim Thema Materialforschung kann man noch nur feststellen: Wenn es um Robustheit, Festigkeit, Langlebigkeit und Stabilität geht, führt eben noch kein Weg am klassischen Polyester mit Glasfaserverstärkung vorbei. Und so geht die Werft lieber kleine, aber sichere Schritte, die sich über die Zeit summieren, anstatt medienwirksam den „großen Wurf“ anzukündigen, der sich am Ende als Luftnummer erweist.
Warum sind GFK-Yachten nicht recyclebar?
Am Ende eines Bootslebens ist das genau die Frage: Was passiert mit den alten Booten. Nun, zurzeit nichts Gutes, um ehrlich zu sein. Das Problem: Noch sind GFK-Yachten nicht recyclingfähig. Es gibt keine Möglichkeit, die Verbindung von Glasfaser und Harz aufzulösen. Das, was den Werkstoff Glasfaser-Verbund so attraktiv für die Fertigung langlebiger und stabiler Wasserfahrzeuge macht, ist gleichsam auch seine Nemesis, was die Wiederverwertung angeht: Die Verbindung ist einfach zu stark. Bisher können GFK-Yachten lediglich „upgecycled“ werden, nicht aber recycled.
Beim Upcycling geht es darum, dass die GFK-Teile so aufbereitet werden, dass sie im Straßenbau zum Einsatz kommen. Ihr Boot kann also Teil der neuen Autobahn werden. Das ist aber kein Re-Cycling, sondern nur eine einmalige Wiederverwendung. Das Ziel bleibt echtes Recycling, also der Kreislauf. Auch hier ist die Groupe Beneteau führend, obschon etwas leise und bescheiden. Bei den Segelbooten sind schon heute bestimmte Yachten mit dem Elium-Harz gebaut. Dieses Harz verhält sich wie Polyester oder Vinylester, kann aber thermisch von den Fasern wieder getrennt werden. Damit ist es erstmals möglich, GFK-Boote wieder vollständig zu recyclen, um daraus neue Boote zu bauen. Bisher sind Elium-Rümpfe nur als Beneteau Oceanis Yacht 60 oder als Jeanneau Sunfast 30 OD erhältlich. Die Gruppe plant aber, sukzessive Elium immer mehr zu verwenden, perspektivisch auch in unseren DELPHIA-Yachten. Was sie daran hindert?
Das tun wir schon heute: Machen Sie mit?
Tja, was hindert die Werften daran, alle Yachten in Elium zu bauen? Nun, Sie … denn ein Elium-Rumpf ist etwa 30% teurer, als ein klassisch gefertigter. Noch akzeptieren die Bootskaufkunden diese Preissteigerung einfach nicht flächendeckend. Schon gar nicht in einer Hochpreisphase, wie der jetzigen. Daher bietet die Werft diese Yachten vorerst nur in Form des Beneteau Flaggschiffes und einer Jeanneau Rennyacht an. Die Hoffnung: Ähnlich wie beim Tesla auch, wird sich der Preis mit der Zeit und steigenden Absatzzahlen senken. Allerdings gehört zur Realität des Umweltschutzes eben generell auch dazu, dass solche Produkte allgemein empfindlich teurer sind. Und hier kommen Sie ins Spiel.
Bestes Beispiel sind unsere Elektro-Yachten bei DELPHIA: Der Aufpreis, den die Technologie kostet, ist spürbar. Ein Diesel ist halt wesentlich billiger, als hochwertige Lithium-Batterien, teure Elektro-Antriebe und das digitale High-Tech drumherum. Das muss man dann als Kunde bewusst wollen und akzeptieren. Am Ende müssen die Werften als Unternehmen sich danach richten, was am Markt geht, und was nicht. Das ist ein Spagat, der sehr viel Einfühlungsvermögen und Vorausschau verlangt: Vieles, was heute schon möglich wäre, ist am Markt einfach nicht umsetzbar, weil die Kunden fehlen. Und daher geht die Beneteau-Gruppe zumindest den Weg der kleinen, inkrementellen Schritte: Einsparungen hier, kleine Innovationen da. In der Masse sind das dann durchaus auch schon beeindruckende Ergebnisse. Es ist also immer ein Miteinander von Hersteller und Kunde. Wenn alle nur noch Biofleisch kaufen würden, wäre die Stallhaltung bei Kühen schnell abgeschafft …
Besichtigen Sie die nagelneuen DELPHIAs bei uns in Zehdenick!
Wir möchten Ihnen mit diesem Artikel natürlich nicht die Lust am Bootfahren vermiesen. Im Gegenteil: Es gibt nichts Entspannenderes, nichts Schöneres für Ihre Familie und Sie, als den Anker in einer naturbelassenen Bucht fallen zu lassen! Wir möchten Sie ermutigen, Ihre Bootshobby realistisch zu sehen und anzuerkennen, dass alles eben seinen Preis hat: Die schöne grüne Welt, in der alles mit Solarkraft betrieben wird und am Ende recycled werden kann … die gibt es einfach (noch?) nicht. Was es allerdings gibt, sind viele, viele ernsthafte, sinnvolle und durchaus erfolgreiche Schritte auf dem Weg dahin. Nicht die Dieselscham ist das Ziel, sondern der bewusste Umgang mit wertvollen Ressourcen.
DELPHIA ist hier auf einem guten Weg: Im Beneteau-Konzern sind es genau diese Yachten, bei denen die größten Forschungs- und Entwicklungs-Etats in puncto Elektro- und Hybrid-Technologien investiert werden. Keine andere Marke des Verbunds bietet so konsequent nachhaltige Yachten an, wie DELPHIA. Auch wenn Sie sich für eine Verbrenner-Variante entscheiden, sind treibstoffsparende, effiziente Motoren verbaut. Upgrades mit Photovoltaik-Flächen sind bei uns selbstverständlich. Überzeugen Sie sich selbst von den Möglichkeiten, die eine DELPHIA schon heute bietet, um sinnvoll, umweltbewusst und trotzdem komfortabel unterwegs zu sein. Wir würden uns sehr freuen, Ihnen das live an Bord unserer Vorführyachten – elektrisch wie dieselbetrieben – hier bei uns in Zehdenick zu zeigen.