Sedan vs. Flybridge: Welche Motoryacht passt besser zu Ihnen?
Die Vor- und Nachteile von Fly- und Sedan-Motorbooten am Beispiel der DELPHIA 11
Majestätisch kommt sie herangefahren: Eine neue Motoryacht im Cruising-Modus. Weiß soll sie sein, und stolz. Hinterm Steuer hat der Skipper Plotter und Umgebung der Yacht jederzeit im Blick, an Deck sonnen sich die Kinder – und oben auf der Flybridge bereiten die Eigner ihren Gästen einen leckeren Drink in der Wetbar zu. Seicht hört man den Bass der HiFi-Anlage heraus, je näher das Boot kommt. Und als es uns passiert hat, winken von oben viele Hände, es grinsen freundliche Gesichter. Was für ein Sehnsuchtsbild …
Früher oder später werden alle Käufer eines Motorbootes vor genau diese Wahl gestellt: Soll es eine Yacht mit einem schicken Flybridge-Deck werden oder doch die Variante ohne, „Sedan“ genannt. Obschon bei Ihnen jetzt spontan vielleicht sofort das „natürlich mit Fly-Deck! Wir wollen doch den maximalen Luxus haben für unser neues Motorboot!“ kommt, lassen Sie uns kurz innehalten. Denn so einfach ist das Thema nun auch nicht abzuhaken. Wir wollen in diesem Artikel die Vor- und Nachteile beider Ausstattungs-Varianten beleuchten, damit Sie Ihre Entscheidung auf der Basis von sachlichen Fakten Fakten treffen können.
Zwei (fast) gleiche Schwestern: Die DELPHIA 11 als Sedan und Flybridge-Variante
Um diesen Artikel so anschaulich wie möglich zu schreiben, vergleichen wir Äpfel mit Äpfeln: Bei uns im EastWest Yacht-Zentrum in Zehdenick haben wir die schicke DELPHIA 11 sowohl als Sedan-Variante wie auch in der Ausstattung mit Flybridge-Deck am Steg. Bei DELPHIA heißen diese Boote „Flylounge“, was implizieren soll, dass sich auf dem Brückendeck viel mehr befindet, als nur der Außensteuerstand.
Das ist auch das erste Merkmal einer Flybridge-Yacht: Sie ist mit einem sekundären Steuerstand ausgestattet, welcher dem Skipper sämtliche Kontroll- und Steuermöglichkeiten wie der Innensteuerstand bietet. Während also bei schönem Wetter sich das ganze Leben an Bord draußen – und mithin oben auf dem Sonnendeck – abspielt, muss man als Steuermann nicht unten im menschenleeren Salon im Schatten sitzen. Statt dessen nehmen Sie aktiv am sozialen Miteinander mit Partnern, Familie und Gästen teil, haben aber die komplette Kontrolle über die Yacht. Ein absolutes Plus.
Aber es stimmt natürlich: Durch die nun nutzbare zusätzliche Fläche erhält eine Flybridge-Yacht quasi ein ganzes drittes Deck! Hier oben sind meist nicht nur der sekundäre Außensteuerstand untergebracht, sondern großzügige Sitzmöglichkeiten rund um einen Tisch, eine mehr oder weniger komplett ausgestattete Wetbar mit Kühlschrank, Arbeitsfläche und gern auch BBQ, sowie Liegeflächen zum Sonnen und Ausspannen. Manche Fly-Yachten bieten zudem Ablagemöglichkeiten für Dinghy oder SUP mit einem praktischen Davit. Das klingt alles super, klar. Man sollte aber auch beachten, dass diese zusätzliche Fläche gepflegt und sauber gehalten werden muss und daher nicht ohne Arbeitsaufwand auskommt.
Achtung Durchfahrtshöhe: Das sollten Sie als Flybridge-Skipper beachten
Ausschlaggebend sollte bei der Wahl der Yacht immer auch das Revier sein, in dem diese dann vorranging unterwegs sein wird. Im Küstenbereich der Ostsee beispielsweise sind Fly-Yachten sehr oft zu sehen. Klar, denn es gibt hier keine oder nur wehr wenige, auf Seeverkehr ausgelegte Brücken. Das ändert sich im Binnen-Revier: Hier muss man die minimalen Durchfahrtshöhen der Brücken beachten, denn längst nicht alle Brücken klappen nach oben hin weg.
Für unser Revier auf Spree und Havel in Berlin-Brandenburg sowie den Wasserstraßen und Flüssen Mecklenburg-Vorpommerns sind die Brückenhöhen durchaus sehr verschieden. Während auf den mit großen Binnenschiffen befahrenen Wasserstraßen diese mindestens 5.25 m beträgt, „schrumpft“ die sogenannte „lichte Höhe“ auf den kleineren Gewässern. Im Berliner Stadtgebiet liegt diese zwischen knappen 2.70 m bis 4 m, auf den Berlin-Brandenburger Gewässern bei 4 bis 5.50 m und in Meck-Pomm kann es wieder auf 3.50 bis 5 m zurück gehen. Daher ist beim Kauf einer Flybridge-Yacht vor allem die minimale Höhe über der Wasserlinie interessant, wenn man sicherstellen will, dass Brücken nicht zum Problem werden.
Beim Beispiel der DELPIA 11 Sedan und Flylounge hat die Werft es so gelöst: Die Sedan-Variante besitzt eine maximale Höhe ab Wasserlinie von 3.30 m, die Flylounge-Version kommt auf 3.85 m. Clevere Konstruktion und vor allem modulare Elemente lassen das Plus an Bootshöhe erstaunlich gering ausfallen. Zudem wird auch beim Installieren der Geräteträger für Positionslichter, Radar und die der Antennen mitgedacht. An Bord beider DELPHIAs lassen sich diese nämlich mit wenigen Hebeln und Schrauben lösen und einfach abklappen. So verringern Sie die Höhe der Yacht ab Wasserlinie und ermöglichen ein angstfreies, sicheres Passieren der Brücken. Pro-Tipp von Skipper zu Skipper: Schauen Sie, dass Sie immer mindestens 25 cm, besser 50 cm „Luft“ nach oben haben, denn auch wenn Sie im Binnenrevier unterwegs sind, können Wasserstände schwanken. Manchmal reicht auch die Welle eines anderen Schiffes und schnell wird es sehr eng …
Vor Fahrtantritt, spätestens aber wenn eine Brücke in Sicht kommt, sollten Sie als Motorboot-Skipper die Brückendurchfahrtshöhe zur Sicherheit verifizieren: Moderne elektronische Kartenplotter mit den neuesten (!) Karten halten diese meist einfach abrufbar vor, achten Sie auch bei den an Bord vorrätigen gedruckten Seekarten auf möglichst aktuelle oder von offizieller Stelle berichtigte Karten. Im Zweifel lieber kurz aufstoppen, per UKW-Funk anfragen und vor allem – nutzen Sie die Möglichkeiten der umklappbaren Geräteträger und Masten!
Deutlich mehr Luxus und Nutzfläche – bei beiden Yacht-Versionen
Auf den folgenden beiden Fotos sehen Sie die baugleichen Schwestern. Hier haben wir für unseren „Richtig Schleusen“-Artikel die DELPHIA 11 Sedan direkt neben der DELPHIA 11 Flylounge festgemacht. Rein optisch wirkt die Sedan schnittiger und Sie können deutlich den fast halben Meter weniger Schiffshöhe erkennen. Innen sorgen die beiden großen Schiebe-Dächer für viel Frischluft und natürliches Licht. Da Sie die Dachfläche jederzeit problemlos betreten können (das geht mit einem kleinen Schritt vom Vordeck aus) kann man sich hier durchaus auch eine Sonnenliege klarmachen. Das aber bitte nur vor Anker oder im Hafen! Denn es gibt keinerlei Außensicherung durch eine Reling.
Ein weiterer Vorteil der Sedan-Variante ist eben genau diese nicht genutzte Fläche: Hier können Sie durch die werftseitig angebotenen Pakete oder durch custom gefertigte Lösungen jede Menge Solar-Power installieren! Es sind DELPHIA 11 Sedan-Yachten mit 6 x 400 Wp-Modulen unterwegs, was problemlos funktioniert. Wir haben aber auch Eigner, die – beispielsweise bei den voll-elektrisch ausgerüsteten E-Varianten des Bootes mit Torqeedo-Antrieb – alle sinnvollen Flächen sowie klappbare Installationen nutzen, die dann insgesamt auf 12 Quadratmeter PV-Anlage und sage und schreibe 4.5 kWp Solar-Leistung kommen! Diese Flächen erzielen Sie bei der Flybridge-Variante natürlich nicht mehr.
Wenn Sie mit vielen Gästen oder Kindern unterwegs sind, oder Ihre Yacht gar als Teilzeit- oder ständige Arbeits- und Wohnstatt nutzen, kann die Flybridge wieder sehr interessant werden. Wie gesagt, Sie gewinnen ein ganzes Deck voller Luxus-, Fläche und Komfort hinzu. Andererseits muss das alles sauber und instand gehalten werden, was übrigens die Vielzahl von Polstern und Persenningen, das außenliegende Deck und natürlich die verbaute Elektronik am Außensteuerstand mit einschließt. Das Plus an Komfort hat also auch seinen Preis. Wenn Brücken-Restriktionen und der Wunsch nach weitgehender Autarkie bei Ihnen wichtiger sind, wird die Sedan-Variante wieder attraktiv.
Welcher Motorboot-Typ sind Sie? Sedan oder Flybridge?
Wir geben es ja offen zu: Es ist eine verdammt schwere Entscheidung! Wenn Ihnen nicht einfach das Revier mit seinen minimalen lichten Durchfahrtsbeschränkungen diese schon längst abgenommen hat, haben Sie wahrlich die Qual der Wahl. Eine Flybridge-Yacht bietet definitiv ein ganz dickes Plus an Luxus: Für Sonnenanbeter, Meister-Griller und die Fans des gepflegten Sundowners an Deck ist eine Flybridge unschlagbar attraktiv.
Nie wieder allein unter Deck steuern, währen die anderen Spaß haben! Dazu die atemberaubende, volle Aussicht von oben auf die Natur, auf den Ankerplatz oder mit etwas „Abstand“ den Trubel der Marina genießen. Herrlich! Das kann eben nur die Flybridge. Andererseits: Das alles muss sauber und in Schuss gehalten werden – und die mitunter zugegeben recht steilen Treppen können ganz schön schlauchen. Die Sedan hingegen ist die Top-Wahl wenn Sie mit weniger Gästen unterwegs sind – und ganz ehrlich, die Sonnenliegen auf dem Vorschiff sind bei beiden Yachten auch unheimlich attraktiv (und reichen oft komplett aus).
Weniger Aufwand bei Reinigung und Wartung, dazu das große Plus an Solar-Fläche machen die Sedan zum Selbstläufer, wenn es Ihnen um größtmögliche energetische Autarkie geht. So viel Fläche muss man einfach nutzen! Sollten Sie sich für eine voll-elektrisch angetriebene DELPHIA 11 entscheiden, wird jeder Quadratmeter mit PV genutzte Fläche wertvoll für das Nachladen der Verbraucherbatterien. So oder so, die Vorteile und Ansprüche einer jeden Variante müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden, damit Sie am Ende nicht nur das Boot kaufen, das Sie sich erträumen und schick finden, sondern das, welches zu Ihrem Programm und vor allem Ihrem Revier passt.
Testen Sie es selbst – und lassen Sie sich kompetent beraten
Daher empfehlen wir Ihnen, sie unbedingt immer möglichst beide (!) Varianten live anzuschauen. So schön die perfekt fotografierten Prospekte der Hersteller und die vielen YouTube-Videos auch sind, nur im direkten Live-Vergleich bekommen Sie einen vollständigen Eindruck davon, was beide – Sedan wie Flybridge – im wahren Leben wirklich ausmachen. Unsere beiden DELPIA 11 sind noch in Zehdenick zu besichtigen: Machen Sie gern einen Termin mit unserem Yacht-Berater vor Ort, gern auch über den Winter im Winterlager.
Übrigens, wenn Sie sich für eine LINSSEN interessieren, wird die Sache ganz einfach. Das LINSSEN-Konzept sieht zwar höher gelegene Außenfahrstände vor, aber keine klassischen Flybridge-Decks. Auch diesen Ansatz sollten Sie sich einmal anschauen, denn es bietet aus unserer Sicht einen schönen Kompromiss zwischen all den Ansprüchen an nutzbare Fläche, Luxus innen und außen sowie Sicherheit unterwegs. Am besten, Sie probieren es auch einmal aus: Unsere firmeneigene Charterflotte bietet jede Menge hochwertiger LINSSEN-Yachten und demnächst sicher auch die eine oder andere DELPHIA.