Bootfahren trotz Rollstuhl oder Behinderung?

Wie wir im EastWest Hafen Zehdenick auf mobilitätseingeschränkte Gäste vorbereitet sind.

Das Thema “Behinderung“ oder Mobilitätseinschränkung begegnet uns überall im Alltag: Kein Supermarkt ohne Rampe, kein Bahnsteig ohne Fahrstuhl, kein Bus ohne Einstiegshilfe. Der „Behinderten-Parkplatz“ ist ein alltäglicher Anblick und fast überall im öffentlichen Raum sind Alltags-Hilfen für Seh-, Hör- und mobilitätseingeschränkte Personen angebracht. Gut so! Doch wie sieht es mit dem Thema Urlaub und Freizeit aus? Hier scheint es zumindest, dass unsere Vorzeige-Inklusion von eingeschränkten Menschen ganz gehörig zu wünschen übrig lässt. Überall? Nein, natürlich nicht überall.

Bootfahren im Alter? Aber sehr gerne doch!

Sie haben sicher unseren spannenden Beitrag über die Entstehung von EastWest gelesen. Die beiden Gründer, Uwe Schorpp und Dirk Fengler haben bei der Planung des EastWest Hafens schon bei den ersten Bleistiftstrichen des Architekten festgelegt, dass unsere Marina ein mustergültiges Beispiel dafür sein soll, wie ein behindertengerechter Ausbau mit Inklusions-Charakter aussehen kann. Heute wollen wir Ihnen in diesem Artikel die Details vor Ort zeigen und erklären. Es geht uns dabei vor allem darum, Ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen, vielleicht einmal doch ältere oder eingeschränkte Menschen mit an Bord zu nehmen – oder sogar als älterer, mobilitätseingeschränkter Mensch ganz realistisch an einen Bootsurlaub mit und bei uns zu denken.

Von Anfang an Teil des Hafenkonzeptes: Der Rollstuhlfahrer gehört dazu!

„Warum der ganze Zirkus?“, mögen Sie sich fragen. Nun, zum einen ist es unanständig, eine ganze Gruppe von Menschen auszuschließen. Zum anderen ergeben sich durch die Inklusion natürlich Chancen, ganz klar auch geschäftlicher Natur, denn ebenso wie Sie, wollen auch ältere, Gehbehinderte oder anderweitig eingeschränkte Menschen eine schöne Zeit, ein tolles langes Wochenende oder einen unvergesslichen Urlaub verbringen. Für uns ist es also eine Herzensangelegenheit und Einnahmequelle gleichermaßen, warum auch nicht? Denn als Betreiber einer großen Charter-Flotte möchten wir selbstverständlich eine möglichst Breite Masse an potenziellen Kunden ansprechen. Und dazu gehören eben neben jungen Paaren, Familien mit Kindern und Rentnern eben auch jene, die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind.

Breite, bequeme und sichere Wege für JEDERMANN: Bei uns Standard!

Bei uns in Deutschland ist bei vielen Baumaßnahmen ganz explizit per Gesetz auf eine behindertengerechte, also barrierefreie, Ausführung zu achten. Solche Anforderungen an die Bauherren ergeben sich aus der Musterbauordnung (MBO), den Landesbauordnungen (LBO), dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und der Normenreihe DIN 18040. Diese Regeln gelten allerdings nur für öffentlich zugängliche Gebäude, Wohnungen und natürlich Sonderbauten, wie Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. Wie Sie sich sicher denken können, ist die Entwicklung und der Bau von behindertengerechten Bauten sehr kostenintensiv – bei privaten Investitionen wird in der Regel daher eher nur das Minimum verwirklicht. Wir hätten beim Bau unseres Hafens auch den Weg des Minimums gehen können, haben uns aber bewusst dagegen entschieden.

Rollstuhl auf der Yacht, geht das?

Sicher, ein Sehbehinderter kann ebensowenig den Sportbootführerschein erwerben, wie eine Autofahr-Erlaubnis. Es gibt für körperlich behinderte Menschen zwar die Möglichkeit, eine Yacht zu skippern, allerdings sollten seemännisches Verständnis und ganz praktische Überlegungen eher davon abraten. Was es allerdings sehr wohl gibt, sind Boots-Eigner mit Behinderungen, nicht wenige auch im Rollstuhl sitzend. Solange Steuermann und Crew (für Manöver, Schleusen, An-/Ablegen etc.) an Bord sind, steht einem Rollstuhl an Bord also generell nichts im Wege. Das Durchschnittsalter der Bootsbesitzer in Deutschland lag 2025 laut VMWD bei 62 Jahren, während es 2008 noch 56 Jahre waren. Sich auf eine immer ältere – und damit eher eingeschränktere – Kundschaft einzustellen ist also nicht nur logisch, sondern geradezu zwingend!

Linssen 50.0 Grand Sturdy Sedan
Möglichst wenige, und wenn, dann flache Stufen an Bord: Sedan!

Auch die Boots-Industrie hat diesen Trend übrigens lange schon verstanden. So bieten wir bei den Sedan-Modellen von LINSSEN lange schon möglichst stufenfreie Decks-Layouts an, achten auf viele robuste Haltegriffe und die Möglichkeit, möglichst viele Funktionen der Yacht ohne viel körperlichen Einsatz steuern und bedienen zu können: Stichwort An- und Ablege-Hilfen, Automatisierung und Fernsteuerungen. Hier geht es natürlich nicht darum, eine behindertengerechte Yacht zu entwickeln, sondern den Betrieb der Boote an die körperliche Bedürfnisse (und auch Einschränkungen) von Crew und Gästen anzupassen. Für uns geht es aber auch darüber hinaus.

Denken Sie an Ihre Eltern oder Großeltern …

Sicher haben Sie unseren letzten Beitrag gelesen, in welchem wir auf die aktuelle Situation im Iran, die hohen Preise und den allgemein nur als „chaotisch“ zu bezeichnenden Zustand der Welt um uns herum eingegangen sind. Unser Fazit: Wir können es im Großen weder beeinflussen noch ändern, wir können aber sehr wohl im Kleinen „Inseln der Glückseligkeit“ für uns, unsere Kinder und unsere Familien aufbauen: Boote sind die perfekten „Kokons“, um eine solche buchstäblich heile Welt zu erschaffen! Und zur Familie, da gehören doch Ihre Eltern und Großeltern natürlich dazu! Daher sollten auch deren Bedürfnisse und Ansprüche mit bedacht werden.

Jung und älter sollten sich an Bord wohlfühlen: Mit Sicherheit.

Leider sind nicht allen über 70-Jährigen mit einer robusten Gesundheit und Status ausgestattet. Es muss ja nicht gleich der Rollstuhl sein, aber oftmals bedeutet schon ein einfacher Gehstock, der Rollator oder andere Gehhilfen das Aus für viele Menschen, einen Steg oder eine Hafenanlage gefahrfrei betreten zu können. Steile Treppen (oder gar unmöglich zu benutzende Leitern), fehlende Rampen, schwere Tore oder unbenutzbare Waschräume sind leider noch immer allzu häufig gang und gäbe. Nicht so bei uns in Zehdenick!

Rampen, breite Wege und bequeme Zustiege am Steg: Bei EastWest geht´s!

Unser EastWest-Hafen in Zehdenick ist von A bis Z auch darauf ausgelegt, von Menschen mit Einschränkungen benutzt zu werden. Das beginnt beim großen Parkplatz. Oftmals sind Parkmöglichkeiten für die PKW der Gäste an Marinas so beschränkt, dass selbst wenn Behinderten-Stellplätze vorhanden sind, diese meist nur an wenigen Fingern abzuzählen gehen. Unser Parkplatz ist so groß, dass er selbst zu absoluten Hochsaison noch nie voll war: Hier finden Sie immer (!) einen Parkplatz und genug Raum neben oder hinter dem Fahrzeug, um selbst Rollstuhl-Rampen auszufahren! Doch das ist für uns nur der Anfang.

Wird bei uns garantiert nie voll: Der große Parkplatz

Alle unserer Marina-Gebäude sind über eine seicht ansteigende/abfallende, breite Rampe erreichbar. Hier kommen sowohl Rollstühle als auch Rollatoren oder anderweitig gehbehinderte Menschen problemlos hoch: Sei es zu uns ins Hafenmeister-Büro oder zu den Waschräumen der Marina. Das gilt natürlich auch für unser Hafen-Restaurant nebenan, denn ohne leckeres Essen nach einer schönen Tagestour auf dem Wasser oder das eine oder andere Glas geht es natürlich nicht!

Rollstuhl-Rampen an allen Gebäuden

Apropos Waschräume: Die sind nicht nur breit genug für Rollstühle, sondern bieten innen auch Wasch- und Duschmöglichkeiten, die an die Bedürfnisse von eingeschränkten Personen angepasst sind. Wir haben ein engmaschig gesetztes Reinigungs-System etabliert, um jederzeit eine saubere und einladende Atmosphäre zu bieten, auch an Wochenenden! Schlösser und Zugangsbeschränkungen sind so montiert, das man diese auch im Sitzen bequem erreichen kann. Es sind so viele kleine Dinge, an die man denkt, die Ihren Alltag dann am Ende so viel einfacher machen!

So flach & einfach wie möglich: Bis an das Boot!

Um in den Hafen und auf die Stege zu gelangen, haben wir wiederum eine extrabreite und flach abfallende Rampe gebaut. Die Schwimmstege der Marina Zehdenick sind ungewöhnlich breit, bei den Fingern der Boxen haben wir zudem extra in 1.50 m breite Stege investiert, damit Sie beim seitlichen Ein- und Aussteigen ebenfalls bei Bedarf bis an die Seitentüre des Bootes mit dem Rollstuhl vorfahren können: Alles, was Sie nun noch brauchen, ist eine helfende Hand, um an Bord zu kommen!

XXL-Breite Finger für den Seiteneinstieg: Top!

Wir sind sehr stolz auf diese Features, die unseren Hafen zu einer besonders behindertenfreundlichen Marina machen. Angenehmer Nebeneffekt: Auch Nicht-Behinderte erfreuen sich natürlich an den luxuriösen, breiten Steg-Anlagen. Denn auch sie profitieren davon, etwa beim Einladen der Urlaubs-Ausrüstung oder dem Verstauen der Wochen-Einkäufe für den Urlaub. Drängelei auf dem Ponton? Gibt es bei uns nicht! Und so freut es uns umso mehr, dass Sie – Tagesgäste, Gastlieger, Dauerlieger und Charter-Gäste immer mehr auch aus diesem Grund unser Angebot in Zehdenick annehmen.

Boots-Urlaub trotz Behinderung

Natürlich sollten Sie gut überlegen, ob der Wasser-Urlaub für Ihre Mutter mit Rollator, Ihren Großvater im Rollstuhl oder anderweitig mobilitätseingeschränkte Personen ein Risiko darstellt. In den meisten Fällen ergeben sich allerdings tolle Möglichkeiten: Die Bootsbewegungen an Bord sind auf unserem Binnenrevier minimal, wir haben selten Welle, nie aber ernst zu nehmende Krängung. Kein Problem also, wenn der Rollator oder der Rollstuhl sicher steht und vor dem Wegrollen gesichert ist: Ganz genauso, wie Sie es im ICE auch tun würden!

Wir sind auf eingeschränkte Gäste maximal vorbereitet.

Mit etwas Geschick und Einfühlungsvermögen können Sie Ihren eingeschränkten Gästen ein wunderbares Wochenende an Bord wie auch bei uns im Hafen machen – man muss sogar gar nicht auslaufen, oft reicht schon das Gefühl, auf einem  „schwimmenden Haus“ zu sein, um ein ganz besonderes Urlaubsgefühl entstehen zu lassen. Die Sonne, die frische Luft, der tolle Ausblick wird sein übriges tun. Dass wir in der Marina auf Ihre mobilitätseingeschränkten Bord-Gäste eingestellt sind, konnten Sie bereits lesen. Auch unsere EastWest Charter-Firma kann Ihnen, so Sie das ankündigen, mit Rat und Tat gern zur Seite stehen!

Tipps für Mobilitätseingeschränkte auf dem Wasser

Wir haben alles getan, damit bei uns in Zehdenick nicht nur die „jungen Dinger“ Urlaub machen können, sondern sich auch ältere und eingeschränkte Gäste pudelwohl fühlen. Doch was können und sollten Sie beachten, wenn Sie sich nun überlegen, Ihre Eltern mit an Bord zu bringen oder gar selbst einen Boots-Urlaub zu planen? Hier sind einige praktische Hinweise und Tipps, wie es gelingen kann:

  • Sagen Sie uns Bescheid: Wenn wir wissen, dass Sie mit einem behinderten Gast anreisen oder selbst eine Behinderung haben, bereiten wir uns gern auf Sie vor. Vieles wird dann einfacher vonstatten gehen und wir können Sie im voraus besser beraten.
  • Achten Sie auf stufenfreie Yachten: Beim Kauf oder der Miete einer Yacht sollten Sie möglichst stufenfreie, ebenerdige Decks-Layouts bevorzugen. Gleiches gilt für Durchgänge, Badezimmer an Bord, Kabinen und die Pantry.
  • Möglichst in Begleitung: Vor allem unterwegs. Schnell mal auf den Steg springen und eine Leine überwerfen, die Schleuse bedienen oder festmachen – das sollten Crewmitglieder machen, die gut zu Fuß sind. Fragen Sie also Familienmitglieder oder Freunde, ob diese Sie begleiten. Gleichsam können mobilitätseingeschränkte Gäste keine oder nur sehr leichte Tätigkeiten an Bord übernehmen.
  • An Bord lieber zweimal nachdenken: Trotz allem kann es gefährlich werden. Schon Nicht-Behinderte stolpern, schneiden oder stoßen sich oft an Bord, das gehört einfach dazu. Als mobilitätseingeschränktes Crewmitglied sollten sie unbedingt doppelt sicher gehen, ob es sicher ist, aufs Vordeck zu gehen oder die Flybridge zu erklimmen.
  • Um Hilfe bitten ist nicht ehrenrührig: Ganz im Gegenteil! Bitten Sie Crewmitglieder, Stegnachbarn oder uns gern und jederzeit, Ihnen zu helfen – bevor jemand zu Schaden kommt und etwas passiert. Sie werden sehen, die Menschen sind viel freundlicher und hilfsbereit, als Sie denken: Gerade auf unsere Motorboot-Community!
  • Kein Risiko eingehen: Erzwingen Sie nichts. Denken Sie an die Vermeidung von Ertrinkungs-Risiken, aber auch der normalen Bewegung an Bord. Es gibt dann doch leider Beeinträchtigungen, mit denen man lieber an Land bleibt.

Trauen Sie sich!

Wir sind uns sicher, dass das Thema „Wasserurlaub mit Behinderung“ nun gar nicht mehr allzu verrückt und entfernt für Sie klingt, oder? Mit etwas Vorbereitung, ein wenig Geduld und Verständnis könnte sich eine ganz neue Welt für Sie oder Ihre Angehörigen und Freunde ergeben. Probieren Sie es aus: Wir laden Sie herzlich ein, unseren Hafen in Zehdenick auch unter diesem Aspekt zu besichtigen! Wir haben zudem aktuell (Stand April 2026) noch einige freie Saison-Liegeplätze im Angebot: Falls Sie also nach einen behindertengerechteren Hafen schauen – sie haben ihn gefunden! Kontaktieren Sie uns bitte gern jederzeit für mehr Informationen.

Wann geht es für Sie los?

Wenn Sie kein eigenes Boot haben, ist das natürlich auch kein Problem: Denn direkt hier am Standort Zehdenick, aber auch in Rechlin, bieten wir top ausgestattete LINSSEN-Yachten an, die wir für Sie oder einen eingeschränkten Gast empfehlen können: Auch hier sind noch freie Wochen für 2026 buchbar. Kontaktieren Sie unsere Charter-Profis für eine diesbezüglich spezialisierte Beratung und … trauen Sie sich! Es lohnt sich garantiert, sowohl für Sie, als auch für Ihre Eltern, Großeltern oder eingeschränkten Freunde, die unvergessliche Momente an Bord, in der Marina und vor allem zusammen mit Ihnen verbringen werden.