Stahlyachten und Kondenswasser? Ein lösbares Problem!
Worauf Sie bei einem Stahlrumpf achten sollten.
Jeder hat ja so seine Vorlieben. Und das ist auch gut so, denn gerade bei der Anschaffung eines neuen (oder gebrauchten) Bootes geht es in erster Linie ja darum, dass Sie sich einen Traum erfüllen. Die Auswahl an Typen, Marken, Schiffsgrößen, Formen und Designs ist schier grenzenlos. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Das gilt natürlich auch für das Material, aus dem die Yacht ist. Heutzutage werden fast alle Freizeitboote und -Yachten bis 60 Fuß vorrangig aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) gebaut. Das hängt vor allem mit der vergleichsweise einfachen Fertigungsmethode und dem damit verbundenen niedrigeren Preis zusammen. Auch wir haben mit DELPHIA eine solche Marke im Angebot.
Andere Bootsbaumaterialien, wie Holz, aber auch Metalle wie Stahl und Aluminium, werden noch immer verbaut. Diese sind aufgrund der oftmals viel komplexeren Anforderungen an den Bau nicht mehr so weitverbreitet und werden eher von hochwertigeren Spezialwerften und den sogenannten „Upper Brands“ angeboten. Marken, wie unsere LINSSEN YACHTS beispielsweise. Was Metall-Rümpfe angeht, vor allem Stahl, halten sich allerdings auch hartnäckig Gerüchte, Vorbehalte und sogar Mythen … Sie kennen sicher den Steg-Schnack, wenn es um die Vor- und Nachteile von bestimmten Bootsbau-Materialien geht. Wir wollen uns in diesem Artikel um ein wirkliches Problem kümmern – und wir man dessen Herr geworden ist.
Schlimmer noch als Rost: Warum Kondenswasser so problematisch ist
Stahl- und Alurümpfe haben die Tendenz, aufgrund physikalischer Gegebenheiten, jede Menge Wasser aus der Innenraumluft zu kondensieren. Dieses Wasser setzt sich dann ab und kann mitunter beachtliche Mengen zustande bringen. Keine Sorge, nicht einmal annähernd so viel, um die Bilgenpumpe anspringen zu lassen, aber genug, um richtig unangenehm zu werden und auch Schaden anzurichten. Viele Menschen denken im Zusammenhang mit Stahlbooten oft an Rost. Das liegt auch nahe, denn Metalle korrodieren nun einmal – mehr noch, wenn Sauerstoff UND Feuchtigkeit vorhanden sind. Anders, als viele aber denken, rosten Stahlboote meist nicht von außen, sondern von innen! Eben wegen des Kondenswassers und nicht wegen des Seewassers, das sie umgibt.
Nicht selten führt stehende Feuchtigkeit, vor allem bei älteren Booten, zu Schäden an der Elektrik und Elektronik: Die Feuchtigkeit kriecht dann in die Kabelverbindungen, in die Schalter und Elektronik-Boards, was zu Kriechströmen, Kurzschlüssen und Totalausfällen führen kann. Dann gern auch unterwegs, wenn man diese Ausrüstungsteile benötigt, wie etwa beim Schleusen oder Anlegen. Nicht zu vergessen der schöne Innenausbau: Gerade die etwas minderwertigeren Sperrholz-Möbel oder einfachen Furniere saugen sich dann voll, quellen auf, verziehen sich oder verrotten von der Rückseite her. Oh je – also lieber Finger weg von Stahlyachten?! Nicht so voreilig!
Nur bei Stahlbooten? Die Taupunkt-Frage.
Zunächst, die Kondenswasserbildung ist ein ziemlich einfach zu erklärendes physikalisches Phänomen, das natürlich nicht nur auf Stahl- oder Aluminiumyachten auftritt, sondern auf allen Booten, gleich aus welchem Stoff diese gemacht sind. Kondenswasser bildet sich auch bei Ihnen daheim, im Schlafzimmer beispielsweise, oder auch im Auto. Was steckt also dahinter?
Kondenswasser wird auch „Schwitzwasser“ genannt. Es entsteht durch den sogenannten Taupunkt-Effekt. Unsere Atmosphäre, die Luft, kann je nach Temperatur nur eine bestimmte Menge an Wasserdampf aufnehmen. Warme Luft nimmt mehr, kalte Luft nimmt weniger Feuchtigkeit auf. Kühlt nun warme, feuchte Luft ab, kann sie die Feuchtigkeit nicht mehr halten und das in ihr gasförmig gelöste Wasser verflüssigt sich wieder. Es kondensiert. Wir bemerkten das als Tropfen, die sich auf den Oberflächen absetzen. Was jetzt hinzukommt, ist die lokale Atmosphäre im Inneren Ihres Bootes und das Baumaterial der Yacht. Schauen wir etwas genauer hin.
Stahl ist ein absolut hervorragender Wärmeleiter. Jeder, der einen Metall-Löffel aus einem heißen Teeglas nehmen will, lernt das schon als Kind. Da der Stahlrumpf Ihres Bootes direkt im Wasser liegt, nimmt er also extrem schnell die Temperatur des ihn umgebenden Wassers an. Das wären unter der Wasserlinie im Winter um die 4 Grad Celsius – darüber aber durchaus die Minusgrade, die der Winter erreichen kann. Wenn Sie nun die Luft im Inneren des Bootes erwärmen, sie also wärmer und auch feuchter wird, als das Außenwasser, wird der Rumpf schnell zur buchstäblich eisigen Kondensationsfläche. Alu leitet schlechter Wärme, hat aber das selbe Problem. Und GfK-Bootsbesitzer wissen es, auch Plastikboote können Schwitzwasser ausbilden. Es ist also KEIN Problem der Stahlboots-Besitzer, sondern aller Eigner!
Warum erwärmt sich die Luft im Inneren der Yacht? Das kann viele Gründe haben. Selbst wenn Sie nicht an Bord sind, kann auch die spärliche Wintersonne (noch dazu auf dunklen Decks-Oberflächen) die Innenraumtemperatur beachtlich anheben. Das gilt vor allem für Eigner, die schon früh (oder noch spät) in der Übergangszeit, also im Frühling und auch im Herbst, an Bord sind. Beim Aufenthalt an Bord sorgen Ihre Körperwärme, das Kochen, das Duschen und die bloße Atemluft für einen massiven Feuchtigkeits-Eintrag in die Atmosphäre im Boot. Beim Abkühlen nachts … kondensiert all das wieder aus. Und dann muss das Wasser irgendwo hin …
Aber auch im Winterlager, ganz ohne menschliches Zutun, bildet sich immer wieder Feuchtigkeit an Bord. Vor allem bei Yachten, die im kalten Wasser bleiben oder unbeheizt an Land stehen. Jetzt, wo wir verstehen, woher das Schwitzwasser kommt – und dass es keine Spezialität der Stahlboote ist, können wir uns anschauen, was die Hersteller tun können, um diesem Problem Herr zu werden. Denn, Spoiler, man kann die Physik etwas „austricksen“!
LINSSEN hat es raus: Kondenswasser adé!
Zur Veranschaulichung des Kondenswasser-Problems und seiner Lösung hat unser Yacht-Experte Mathias Kalmutzke einen Trinkbecher im Büro. Dieser ist zwar aus Aluminium, der Effekt ist also nicht allzu stark, aber durchaus beobachtbar. Denn wenn Mathias hier kaltes Wasser einfüllt, bilden sich schon nach wenigen Sekunden die ersten Tropfen, es legt sich ein feuchter Film über den Becherrand: Man kann dem Taueffekt tatsächlich live zuschauen! Das ist immer sehr beeindruckend für die Interessenten. Hier aber der Clou – das Wasser bildet sich nur beim blanken Metall!
Denn der Becher ist an zwei Seiten mit einem Dämm-Material überzogen. Es handelt sich um das Produkt Mascoat. Dies ist eine hochmoderne, flüssige Thermo-Isolier-Beschichtung, die bei LINSSEN YACHTS für die Behandlung der Innenseiten der Stahlrümpfe eingesetzt wird. Es ist eine Acryl-Verbundbeschichtung auf Wasser-Basis, in der mikroskopisch kleine, luftgefüllte Keramik- und Silica-Perlen suspendiert sind. Sie sorgen wie ein Polster für optimale Wärmedämmung. Da flüssig, kann Mascoat einfach aufgesprüht werden. Es legt sich als etwa 0.5 cm dicke Schicht über den Stahl. Da es gesprüht wird, kann es in alle Ecken vordringen und fließen – viel akkurater als gepinselte Stoffe.
Wenn Mascoat getrocknet ist, kommen zusätzlich noch die bekannten Dämmplatten aus Dämmwolle (ähnlich wie bei Ihrem Haus) in die Rümpfe, welche das Boot dann komplett thermisch isolieren. Warum dieser Aufwand? Feuchtigkeit, das haben Sie an Mathias´ Becher gesehen, braucht wirklich nur Bruchteile eines Millimeters „Luft“, um auszukondensieren. Mit den Dämmplatten ergeben sich in den gebogenen und verwinkelten Rümpfen immer wieder solche Stellen. Im hochwertigen Metall-Bootsbau geht es daher nicht mehr ohne direkt, eng anhaftende, aufgesprühte Dämmschichten. Die Mascoat-Schicht ist bei einer LINSSEN Standard – Kondenswasser am Rumpf hat so keine Chance mehr! Mascoat ist der Gold-Standard unter den marinisierten Dämm-Produkten.
Es verhindert wirksam die Korrosion dahinter. LINSSEN-Eigner können also beruhigt sein, die Rümpfe halten wirklich ein Leben lang. Oder auch zwei, drei. Hinzu kommt, dass Mascoat im Vergleich zu anderen Materialien (wie beispielsweise PU-Kork-Mischungen) leichter ist und dünner aufgetragen kann, also nicht wesentlich das Gewicht der Yacht erhöht. Es besitzt eine Klasse A Feuerzertifizierung, ist also nicht brennbar und erfüllt damit selbst die strengen SOLAS-Anforderungen. Mascoat findet sich daher beispielsweise auf jedem „echten“ Artis-Explorer. Also, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Fast …
Praktische Tipps für (Stahlrumpf-) Bootseigner
Denn natürlich kann auch Mascoat und keine noch so effiziente Dämmschicht die Physik gänzlich aushebeln. Vor allem nicht, wenn heiße Winterduschen oder literweise kochendes Pasta-Wasser im Spiel sind. Was können Sie also noch tun, um die Schwitzwasserbildung an Bord zu verhindern oder zu kontrollieren? Hier kommen ein paar praktische Tipps für Boots-Eigner – gern empfohlen zum Nachmachen:
- Konsequentes Heizen: Auch wenn es Geld kostet, eine wirklich trocknende Heizung (z.B. Diesel-Standheizung) erwärmt die Luft, wodurch diese mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, die dann weggelüftet wird. Aber Achtung: Gas-Katalytheizungen ohne Außenborder-Abführung erzeugen beim Verbrennen selbst massiv Wasserdampf und sind ungeeignet!
- Regelmäßig und oft Querlüften: Ein ständiger, leichter Luftstrom, beispielsweise durch hochwertige Dorade-Lüfter, Solar-Lüfter oder geöffnete Luken, transportiert die feuchte Luft nach draußen. Aber auch die Wärme …
- Elektrische Luftentfeuchter: Diese arbeiten mit einem Kompressor oder mit Adsorption. Sie sind ideal, wenn das Boot im Hafen am Landstrom hängt. Sie halten die Luftfeuchtigkeit automatisch auf einem gewählten Niveau. Aber Achtung: Nie unbeaufsichtigt oder gar bei längerer Abwesenheit betreiben!
- Chemische Entfeuchter (Granulat-Boxen): Eine gute Lösung für das Winterlager, weil funktionieren ohne Strom. Sie ziehen Wasser aus der Luft, müssen aber regelmäßig geleert werden.
- Wenn Refit, dann richtig: Mit Mascoat als Grundschicht, dann geschlossenporige Dämm-Materialien, wie Armaflex oder Trocellen. Unsere Werft berät Sie gern für ein solches Projekt
Wir hoffen, wir konnten mit diesem Artikel dem Mythos „Schwitzwasser und Stahlrumpf“ auf den Zahn fühlen. Zumindest was unsere LINSSEN-Yachten angeht kann Mathias Kalmutzke also Entwarnung geben: Die Werft hat in den vielen Jahrzehnten das Thema Kondenswasser über viele hundert gebaute Einheiten hinweg auf allen Kontinenten und in allen Klimazonen testen und perfektionieren können. Dank Mascoat, Dämmung und jeder Menge bootsbauerisches Können ist Schwitzwasser an Bord einer LINSSEN also kein Problem.
Wir wünschen Ihnen einen trockenen, schönen Herbst an Bord – und ein noch trockeneres, schimmelfreies Winterlager!